Mittwoch, 19.08.2015

wieder daheim

Liebe Blogleserinnen und -leser,

dies wird wahrscheinlich mein letzter Eintrag, da mein aventura colombiana leider vorbei ist. Schon seit einem Monat bin ich wieder in Deutschland ud versuche nun den "Sommer" zu genießen.

Der Abschied von meiner Gastfamilie viel mir überraschend einfach. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir sicher war, den Kontakt zu ihnen nicht zu verlieren oder, dass ich mir sicher bin, dass ich sie besuchen kommen werde. Vielleicht liegt es aber einfach auch nur daran, dass ich einfach nicht realisieren konnte, dass es jetzt zum Flughafen und dann weiter nach Deutschland geht. Den ganzen Tag über haben wir zwar Sachen gesagt wie:" jetzt haben wir den kolumbianischen Boden verlassen", "jetzt sind wir aus der Zeitzone raus" und "Guckt mal, da unten sieht man schon deutsche Wälder!" Aber selbst als das Flugzeug landete und die meisten Passagiere klatschten, konnte ich immer noch nicht glauben, dass ich wieder zu Hause war. Als ich dann aus der Sicherheitszone rauskam, nachdem wir ungefähr 30 Minuten vom Flugzeug zur Gepäckausgabe gelaufen sind, und ich meine Familie wiedersah, hat es sich nach einem Wiedersehen nach einem Jahr, sondern eher nach 14-tägigen Urlaub angefühlt. Die weiteren ersten Treffen waren genau so und nach einem kurzen "wie wars" haben wir uns ganz normal über alltägliche Dinge unterhalten. Das Leben schien hier doch nicht eingefroren zu sein. Es hat sich nichts geändert, mein Zimmer sieht noch genauso aus wie vor einem Jahr und auch mein Freundeskreis hat sich nicht geändert und doch ist alles anders. 

Ob das Jahr mich verändert hat? In einigen Punkten auf jeden Fall, z.B. in der Sichtweise auf verschiede Situationen. Eine große charakterliche Veränderung kann ich jedoch nicht feststellen. 

Was ich aber sagen kann ist, dass die Entscheidung nach Kolumbien zu gehen die Beste war, die ich je getroffen habe und bin sehr dankbar an alle, die mich in diesem Jahr begleitet haben und mich unterstützen. Egal ob von Deutschland oder Kolumbien oder welchem Land auch immer aus.

Wenn sich euch die Möglichkeit ergibt, nutzt sie!

viajar es como amar- es un intento de transformar un sueno en realidad. (Alain de Botton)

Sonntag, 19.07.2015

der letzte Tag

 16.07.2015: der Tag, der so lange in weiter Ferne lag und jetzt doch gekommen ist. Heute ist mein letzter Schultag. 

Wie jeden Morgen stehe ich um 5.00 Uhr auf und mache mich für die Schule fertig. Die ganze Zeit schon begleitete mich eine Art Nervosität und Übelkeit. Zum letzten Mal ging ich um 6.10 aus dem Haus, einen Bus zur Schule zu bekommen. Wie fast jeden Morgen treffe ich die gleichen Lehrer und Schüler im Bus und Grüße. In der Schule angekommen, ist es auch wie immer. Ich begrüße den Koorinador und die Lehrer und bereite mich auf die erste Stunde vor. Wie auch schon in den vergangenen Tagen halte ich eine Präsentation über Deutschland und lass das letzte Mal Fragen wie "was ist ein typisch deutsches Gericht?" und "Gibt es in Deutschland Uniformen?" über mich ergehen. Ich lasse eine Tüte Lollis rumgehen, verabschiede mich und höre ein dezent ironisches aber irgendwie auch doch ernst gemeintes "Ayy NIna, no te vayas" (Och NIna, geh nicht). So wie ich können auch viele meiner Schüler nicht glauben, dass meine Zeit hier schon vorbei ist. Am Ende der Stunde wird ein Klassenfoto und einige Einzelbilder mit mir gemacht, bevor es für mich in die nächste Stunde geht. Dort das selbe. Nur ohne Deutschland-Präsentation. Am Ende der 3. Stunde mit einer 11. Klasse schenken mir 3 Mädels einen Brief und Schokolade. Ein sehr bewegender Moment für mich. Dann ist Pause. Schon am Morgen habe ich den Coordinador um eine Reunion der Lehrer gebeten, um mich von allen zu verabschieden. Da die Tour de France aber läuft, musste ich ihn erinnern, dann kommen alle ins Lehrerzimmer. 45 Lehrerausgen sind auf mich gerichtet. Schlimmer als im mündlichen Abi. Ich beginne zu erzählen, dass heute mein letzter Tag ist und wie viel Spaß ich in der Schule jeden Tag hatte. Ich verteile selbstgemachte Muffins und nach und nach kommen alle Lehrer zu mir, um mich zu umarmen. Für mich sehr schwierig. Nach der Pause halte ich nochmal meine Präsentation und gehe in der 5. zu meinem Lieblingskurs. Als ich mich dann verabschiede und meine, dass sie mir unbedingt Fotos von ihrem Prom schicken müssen, laden sie mich ein. Ihr Abschluss ist im November, weshalb es für mich unmöglich ist zu kommen. Zur 6. Stunde mache ich mich ein letztes Mal auf den Weg zur 7.4, meine allerletzte Stunde in dieser Schule. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es 12.45 Uhr. Schulschluss. Wie immer laufe ich mit den Profes zurück Richtung Lehrerzimmer aber dieses Mal überkommt es mich und ich fange an zu weinen. Auf dem Weg zum Ausgang laufe ich vielen Schülern entgegen, die alle stehen bleiben und mir sagen, dass sie mich vermissen werden und mich umarmen. Ganz viele fragen, wann ich den wiederkomme. Im Lehrerzimmer verabschiede ich mich von den Englischlehrerinnen, welche mich am Dienstag noch zu einem Mittagessen eingeladen haben. Kurz vor dem Ausgang treffe ich den Rektor, welcher mir auch noch mal sagt, dass ich jeder Zeit willkommen sei (kolumbianische Floskeln). 2 Schülerinnen aus meinem Projekt warten auf mich und vor der Schule werde ich von allen angestarrt. Die heulende Profe. Ich verabschiede mich von den Mädels aus dem Projekt und laufe Richung Bus. Schüler aus meiner Lieblingself kommen mir entgen und umarmen mich. Auch vor dem Bus treffe ich noch auf Schüler und immer wieder muss ich versichern, dass ich wiederkomme und, dass das Jahr und die Arbeit toll waren. Viele sagen bis bald aber ich glaube auch sie wissen, dass bald entweder in ganz ferner Zukunft liegt und niemals Eintritt. 

Die Verabschiedung aus der Schule war bis jetzt für mich die schwierigste. Obwohl ich die meisten vom Namen her nicht kannte, so habe ich jeden Tag dort genossen und bin ein Teil ihrer Gemeinschaft geworden.

die Englischlehrerinnen, der Rektor und ich11.3 6.1 7.2 9.3 9.4 10.2

Donnerstag, 16.07.2015

clases de accion

Den Blogeintrag zu meinem 2. Schulprojekt, clases de acción, wollte ich eigentlich schon vor einer Woche veröffentlichen aber wie mein lieber PC nun mal so ist, hat er das Internet geschlossen, ohne dass ich meinen Eintrag speichern konnte...

Jedenfalls haben Sophia und ich in den vergangenen Wochen unser Projekt mit unseren Schülern durchgezogen. Das Thema war eine Talentnacht, in der jeder Schüler, de wollte etwas auf einer großen Bühne in einem Theater aufführen konnte. Sophias und meine Schule sind recht nah beieinander, daher dachten wir, es wäre cool, die Schüler zusammen arbeiten zu lassen, sodass diese sich besser kennenlernen konnten. Wir hatten uns das Projekt so überlegt, dass wir uns 1-2 mal in der Woche am Nachmittag in einer der beiden Schulen treffen, um die Aufführung vorzubereiten. Einer unserer Hintergedanken dabei war außerdem noch, die Schüler nachmittags vo Fernseher wegzulocken und sie dazu zu bringen mehr aus sich herauszukommen.

Die ganze Entwicklung war aber nicht so einfach, wie es vielleicht gerade klingt:

1. Problem: die Schüler motivieren. Viele meinten zwar, sie würden zu den Treffen kommen, erschienen am Nachmittag dann aber nicht. Bis kurz vor der Aufführung war unklar, wie viele Schüler sich jetzt beteiligen würden.

2. Theater: wir haben für die Aufführung am 12.6. ein Theater des Rathauses gemietet, eine Woche vor Aufführung wurde uns mitgeteilt, dass wir dieses allerdings nicht mehr nutzen können, da der Bürgermeister dieses für den 12.6. bracuht. Somit verbrachten Sophia und ich einen ganzen Nachmittag damit durchs Centro zu rennen un ein neues Theater zu organisieren. Wären wir an diesem ÖTag nicht dort hingegangen, um uns zu vergewissern, dass noch alles steht, hätte man uns nicht informiert.

3. Schüler können nicht: einen Tag nach dem Theater-Drama sagten mir einige Schülerinnen, dass sie am 12. nicht teilnehmen können, da sie auf einem Schulausflug sind. Da wir aber wollten, dass jeder mitmachen kann, legten wir den Termin auf den 3.7. und reservierten das alte Theater für den Tag und den 1.7. für eine Generalprobe. Letztendlich haben die Mädels trotzdem nicht am Projekt teilgenommen.

4. Theater: als wir dann am 1.7. zur Generalprobe im Theater erschienen, wurde uns erneut gesagt, dass das theater am 3.7. besetzt sei. Wieder vom Bürgermeister. nach ewigem hin-und her haben wir das Ausweich-Theater bekommen. Das Problem war nur, dass schon alle Einladungen an sämtliche Leute und Plakate mit dem Ort des 1. Theaters raus waren. Hinzu kam, dass es dort keinen Ton und kein Bühnenlicht gibt und uns daher ein Tag blieb das alles zu organisieren.

5. Programm: unsere Schüler ändern ihre Meinung sehr schnell und daher kam es, dass wir 10 Minuten vor Beginn der Show noch kein fertiges Programm hatten, da viele kurz vorher abgesagt oder noch eine weitere Nummer angekündigt haben. Auch während der Show hieß es mehrmals:" Ich singe das nicht." oder "kann ich das noch machen?" es war alles sehr chaotisch!

Trotz der ganzen Probleme hatten wir einen wundervollen Abend und unsere Schüler waren sehr glücklich und haben sich mehrmals bei uns bedankt, was mich sher glücklich macht, denn das zeigt, dass sich die ganze Arbeit und all der Stress gelohnt haben. Wir sind als Gruppe echt zusammen gewachsen und haben eine tolle Zeit miteinander verbracht. Sophia mit Laura während einer Probe meine Adrianas bei der Generalprobe ein Tanz Aufführung unser Publikum..überrschender Weise sehr viele meiner Schüler traditioneller Tanz mit Sophias Schülerinnen :) Dana und ich fast alle Teilnehmer am Schluss mit Adriana nach der Show

Donnerstag, 02.07.2015

in Peru ist alles Inka

Während in Deutschland Ferien zum Schuljahreswechsel anfangen und es einfach nur unverschämt warm ist, gibts in Kolumbien auch Ferien, zwar nur 2 Wochen Halbjahresferien aber besser als nichts. Der Unterschied ist allerdings, dass es hier unverschämt kalt ist, jeden Tag regnet es und ohne einen dicken Schal verlasse ich nicht mehr das Haus (ich kann euch sagen, dass sind tolle Juni-Gefühle). Grund genug also, das Land zu verlassen.

Mit 2 Freunden machte ich mich daher auf den Weg nach Peru. Wie einige ja vielleicht noch wissen, war Peru mein eigentliches Traum-Reiseland aber durch einige Komplikationen hat das alles nicht geklappt und es ging nach Kolumbien, womit ich aber auch sehr sehr glücklich bin.

Die Reise stand scheinbar unter einem sehr schlechten Stern für uns. Angefangen hat alles mit den Problemen die Flüge zu buchen, das Problem, warum keine einzige Kreditkarte akzeptiert wurde, ist mir bis heute noch nicht klar! Am Abreisetag wollten wir um 10.30 Uhr nach Bogotá fahren, da Paola sich aber noch in der Uni einschreiben musste und das leider nur an diesem Tag möglich war, sind wir erst um 11.30 Uhr losgefahren und zu allem Übel stand der Bus auch noch im Stau. Bis wir in Lima angekommen sind, gabs dann aber zunächt keine weiteren Probleme, sondern erst wieder als es zum Hostel ging. Der Einfachheit halber wollten wir Taxi fahren, da wir Ausländer sind und am Flughafen "natürlich nur" super sichere Taxiunternehmen mit mega Autos abfahren, sollte die Taxifahrt 90 Sol (ca 30 Euro..ich weiß für euch klingt das ok aber in Kolumbien sind wir Preise unter 10 Euro gewöhnt) kosten. Als wir dann im Hostel ankamen, wurden wir darauf hingewiesen, dass der normale Taxipreis 55 Sol beträgt. Dumm gelaufen! Danach verlief die Reise aber erstmal ganz gemütlich: wir sind am Abend noch etwas im Barrio unseres Hostels rumgelaufen, sind schlafen gegangen und haben am nächsten Tag das historische Centro Limas erkundet. Schon die ersten Eindrücke haben mir gezeigt, dass Lima in vielerlei Hinsicht viel schöner als Bogotá ist und das nicht nur wegen des Wetters... im Centro haben wir uns dann die Kathedrale, das Gobierno, usw. angeguckt und bei einer Tour zum San Cristobal, ein Aussichtsberg fast im Centro Limas, gemacht. Wir dachten man könne jetzt ganz Lima und sogar den Pazifik sehen aber nein! Die Luft war einfach viel zu verdreckt. Das interessante an der 10 Millionen Stadt, in der übrings 1 Drittel aller Peruaner leben, ist, dass um die Anden rumgebaut ist und nicht wie Bogotá in einem Tal zwischen den Bergseiten. Von daher konnte man die Stadt, die sich in alle Himmelsrichtungen von dem Berg aus unendlich weit erstreckt, erahnen.

Im Anschluss ging es zurück ins Hostel, da wir noch unsere Reise nach Machu Picchu organisieren und uns auch nach Flügen dorthin erkundigen wollten. Das alles war aber sehr kompliziert und ein ewiges hin-und her und so kam es, dass wir den Samstag im Hostel darauf warten mussten, ob wir die Flugtickets und die Karten für den Machu Picchu bekommen. Zum Schluss ist aber dann doch mal was gut gegangen und am Sonntag ging unser Flieger nach Cusco, mit 400000 Menschen die 3. größte Stadt Perus und aufgrund ihrer Inka-Vergangenheit ein Ziel für alle, die zum Machu Picchu wollen. Das nächste Problem erwartete uns kurz nach Ankunft in der Stadt, die auf ca. 3400 m gelegen ist: Vincent hat die Höhenkrankheit bekommen und es ging ihm so schlecht, dass wir an diesem Tag kaum was gemacht haben. Ich habe scheinbar genug Coca-Tee getrunken und bin glücklicher Weise verschont geblieben. Montag ging es ihm dann aber auh wieder so gut, dass wir uns die wunderschöne Stadt angucken konnten und sogar noch einen Markt mit Schmuck, Taschen, Obst und Fleisch besuchen konnten. Hier hat man alles gefunden, was das Herz begehrt: Alpaca-Pullis und Ohrringe, frische Früchte und ganze tote Schweine.AM gleichen Abend ging es für uns noch mit dem Zug nach Aguas Calientes, das Dorf von dem aus man die Tour nach Machu Picchu startet. Gegen 23.00 Uhr kamen wir dort an und sind dann auch eigentlich sofort ins Bett, um am nächsten Tag den Berg zur Inka-Stadt Machu Picchu hochzulaufen. Obwohl uns viele geraten haben, gegen 5 Uhr schon loszugehen und somit den Sonnenaufgang dort zu sehen, haben wir unsere Wanderung erst gegen 10.00 Uhr begonnen. Man hätte auch einen Bus nehmen können aber der hätte dann nochmal 12 Dollar pro Fahrt gekostet und so nahmen wir ca 1000 Treppenstufen auf uns und konnten so die Aussicht noch genießen, auch wenn es echt anstrengend war.

Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt! Machu Picchu ist so gut erhalten, dass man es sich sehr gut vorstellen konnte, wie die Inkas dort damals gelebt haben. Ca 4 Stunden sind wir einfach nur rumgelaufen, uns die Ruinen angeguckt und uns ab und an mal einer Tour angeschlossen, um zu hören wozu die verschieden Tempel und Gebäude gedient haben. Das schöne war, dass gegen 16.00 kaum noch Touristen oben waren und man die ganze Aussicht noch mehr genießen konnte (diese sieht übrings wirklich genau so aus, wie auf den ganzen Fotos). Am gleichen Abend ging es noch zurück nach Cusco, von wo aus wir am Mittwoch wieder nach Lima geflogen sind. Die restlichen Tage haben wir dann genutzt, um noch möglichst viel von Lima zu sehen (oder sagen wir ich, da meine Mitreisenden leider kaum für etwas zu begeistern waren). Beispielsweie haben wir uns ein altes Kloster und seine Katakomben angeguckt, in denen noch alte Knochen und Schädel zu sehen waren, waren im Wasserpark, eine der Touristenatraktionen Limas ( es gibt ca 10 verschiede Brunnen mit unterschiedlichen Fontänen, die wenn es dunkel ist, angestrahlt werden und sind durch die verschieden Barrios gebummelt. Am Freitag bin ich 2 Freundinnen besuchen gefahren, die ein FSJ etwas außerhalb von Lima in einem Kinderdorf machen. Sie haben mir etwas über ihre Arbeit erzählt, ich habe die Kinder kennengelernt und wir haben uns über unsere Erfahrungen ausgetauscht. Es war ein sehr schöner Tag, da ich die beiden seit dem Vorbereitungsseminar im vergangen Juli nicht mehr gesehen habe und wir uns daher sehr viel zu erzählen hatten.

Am Sonntag ging es dann zurück nach Bogotá aber nicht ohne am Flughafen nochmal von der Fluggesellschaft abgezogen zu werden, die, obwohl ich ihnen mein Visum und alles gezeigt habe, weitere 15 Dollar für die Einreise nach Kolumbien haben wollten. Als ich aber in Bogota gefragt habe, wusste man nicht, wofür das denn gewesen sein könnte. Gegen 3 Uhr war ich in Tunja und um 5 klingelte der Wecker. Schule geht weiter.

Das war für dieses Jahr meine letzte Reise in Südamerika und von den Erlebnissen war es auf jeden Fall eine der spannensten und schönsten Reisen, die ich dieses Jahr antreten durfte (von den ganzen Problemen mal abgesehen ;) ). Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung in die Kultur eines anderes lateinamerikanischen Landes hinein schnuppern zu können. Peru <3 die Kathedrale bei Nacht Plaza de las armas in Lima Coca-Tee gegen die Höhenkrankheit Altstadt: Cusco peruanische Frau mit einem Alpaca Cusco in Aguas Calientes auf gehts nach Machu Picchu tolle Landschaft beim Laufen die Ruinen von Machu Picchu wie im Bilderbuch ein Traum wurde wahr... der Strand von Lima im Wasserpark und wir sind nicht nass geworden :D sehr kitschig aber auch irgendwie schön

Dienstag, 16.06.2015

wenn man wieder anfängt die Zeit in Wochen zu zählen

Heute in genau 5 Wochen werde ich in Frankfurt landen..eine unwirkliche und auch nicht ganz so schöne Vorstellung. Wir alle, Freiwillige, Gastfamilien und Lehrer, können es nicht glauben, wie schnell so ein Jahr doch rum geht. 

Nach dem Paro ist inzwischen wieder Ordnung in den Schulalltag eingekehrt und es ist auch klar, wann die verlorenen Tage nachgeholt werden (und zwar musste ich vergangenen Samstag arbeiten und es wird die letzte Ferienwoche gestrichen). In den vergangenen Wochen haben Sophia und ich sehr viel an unserem neuen Projekt mit den Schülern, dem "clases de acción" gearbeitet. Wir wollen einen Show-/Talentabend mit ihnen organisieren. Die Aufführung wird nach langem hin und her und einigen organisatorischen Schwierigkeiten am 3. Juli stattfinden und im Anschluss werde ich natürlich einen etwas ausführlicheren Bericht mit Fotos über dieses Projekt schreiben.

Jetzt sind erstmal Ferien, 2 Wochen und am Donnerstag werde ich mit 2 Freunden nach Peru fliegen. Daher wundert euch nicht, wenn ich euch nicht direkt antworten kann. Diese Reise zu buchen, war auch nicht so leicht, da es auf der Website der Fluggesellschaft scheinbar einen Fehler gab und man keine Transaktionen durchführen konnte. Nach ewigem hin und her wurde mir aber die Möglichkeit erklärt, die Flüge bar über den Exito zu bezahlen. Der Exito ist ein Supermarkt wie Rewe oder Edeka. Noch bin ich mir nicht ganz so sicher, ob das wirklich funktioniert hat aber spätestens Donnerstag weiß ich dann ja Bescheid.

Solltet ihr in den letzten 3 Tagen versucht haben, mir per Whatsapp zu schreiben, so weise ich euch jetzt darauf hin, dass mir am Freitag während des Unterrichts mein Handy geklaut wurde und ich bis zum Ende meines Kolumbien-Aufenthalts wahrscheinlich nicht mehr über das Handy erreichbar sein werde! Ich hatte mich schon gefreut, dass mir nichts geklaut wurde, da fast allen Mitfreiwilligen das schon vor Monaten passiert ist. Ich habe wahrscheinlich vergessen auf Holz zu klopfen, als ich das gedacht habe. Von daher: Facebook, Skype oder Mail!

Ich wünsche euch allen, dass ihr die warmen Sommertage genißet, denn hier in Kolumbien regnets inzwischen jeden Tag und wir sehen uns in 35 Tagen.

 

Dienstag, 09.06.2015

Les presento: Colombia

In meinen letzten Blogeinträgen habt ihr hoffentlich schon einen kleinen Eindruck von Kolumbien bekommen. Trotzdem werde ich oft gefragt, ob sich Deutschland und Kolumbien denn sehr von einander unterscheiden, weswegen ich mir gedacht habe, eine List von Kolumbiens "Eigenheiten" zu erstellen.

Ich präsentiere euch: Kolumbien

Verkehr

  •  es gibt Verkehrsregeln, man muss sich aber nicht unbedingt daran halten
  •  Auto fahren kann man auch schon mit 15 und ohne Führerschein
  •  in ein normales Auto passen ja 5 Leute rein..Nein! in Kolumbien können es auch mal 8 sein
  • Sicherheitsgurte? Wer braucht das schon
  • passt auf! Sonst fressen euch die Straßenhunde..nein, eigentlich sind die ganz lieb

Essen

  • Kartoffelsuppe zum Frühstück  (Caldo de Papas)
  • Changwa: Suppe aus Ei, Wasser, Milch, Brot und was man sonst so findet (ebenfalls Frühstück)
  • ein Mittagessen ohne Reis und Kartoffeln ist kein Mittagessen          
  •  Hühnchen geht immer: egal ob auf Pizza, in der Lasagne oder so                                            
  • es wird alles in den Mixer geschmissen, dieser ist so zu sagen das wichtigste Küchenutensiel
  • jeden Tag ein Saft aus frischem Obst ist Pflicht

Traditionen/Kultur

  • religiöse Feiertage wie Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam werden auf den nächsten Montag gelegt, weil bequemer
  • es gibt für alles und jeden einen eigenen Tag: Tag des Schülers, Tag des Lehrers, Tag der Erde, Tag des Baumes, Tag des Buches, Tag der Sprache...
  • Weihnachten ist hier im Hochsommer, trotzdem braucht man Eisbahnen und Schneegirlanden
  • Dekorationen für Feste müssen mind. 1 Monat eher aufgehängt werden
  • verschiede Klimazonen: fahr eine Stunde und es ist an deinem Ziel direkt 10°C wärmer

Menschen

  • Unpünktlichkeit: ahorita bedeutet eigentlich gleich, bei ahorita weiß man aber nicht, ob es sich um 10 Minuten, eine halbe Stunde oder mehrere Stunden handelt
  • Spontanität/Flexibilität
  • Hilfsbereitschaft
  • sehr direkt: hier ist es üblich dickere Menschen mit "Gordo/Gorda" (Dicker, Dicke) anzusprechen und auch direkt zu sagen, dass sich jemand äußerlich verändert hat
  • Bezug zu der Familie ist enorm!
  • amerikanische Namen..über die rechte Schreibweise lässt sich diskutieren: Brayan(Brain), Estiven(Stiven), Banesa(Vanessa)..
  • es gibt ganz viele Julius Cesars, Miguel Angels (MichelAngelo), Leidy Diana (Lady Diana)
  • alle die helle Haare, Haut und Augen haben sind automatisch "Monos" (Affen)
  • Machismo: ich muss es leider sagen, viele der Männer haben das Bild der Frau, die den Mann von vorne bis hinten bedient
  • sollte der Gehweg zu eng sein, sind es meistens nicht die Kolumbianer, die ausweichen. Sie bleiben dann doch lieber in ihrer 3-er Reihe und zwingen dich die Straße zu betreten!
  • super interessiert an anderen Kulturen, auch wenn ihr Bild von Deutschland nicht immer stimmt

 

Donnerstag, 28.05.2015

viva el paro nacional del magisterio colombiano!

Wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, hatte ich Anfang Mai extrem viel Freizeit. Das lag daran, dass kein Unterricht stattfand. Es gab aber keine Ferientage, das Problem bestand darin, dass die Lehrer aller öffentlichen Schulen in ganz Kolumbien gesreikt haben. Und das ganze 2 Wochen. In Deutschland unvorstellabr aber hier kein Step: dann bleiben die Schüler halt ohne Unterricht. 

Einer der Hauptgründe für den Streik war u.A. die schlechte Bezahlung der Lehrer und die Forderung einer Lohnerhöhung; aber auch die Krankenversicherung und die Ernährung der Schüler spielten eine Rolle. Auf die öffentlichen Schulen hier gehen nämlich nur die Kinder von Familien, die es sich auf gar keinen Fall leisten können, ihre Kinder auf eine private Schule zu schicken. Man kann sich daher vorstellen, dass das Geld kaum ausreicht und das Schulessen für manche das einzige am Tag ist, dieses besteht aber nur aus einer Frucht, einem Milchgetränk und einem Gebäck. Zum beruhigen meiner Organisation: ich habe natürlich nicht mitgestreikt!!

Jedenfalls hatte ich keinen Unterricht und dem entsprechend ziemlich viel Freizeit, besonders, da das Ende des Streiks unklar war.

Allerdings kamen mir diese unerhofften Ferien ganz gelegen, da mir noch einige Orte in Kolumbien fehlen, die es zu bereisen gibt. So ging es für mich und meine Mitfreiwilligen, Sabrina und Philipp, am Mittwoch Nachmittag (Tag 5 des Paros) nach Cali. 

Cali ist eine große Stadt im Südwesten des Landes und bekannt für ihre Salsa, den Tanz, nicht die Soße für Nachos!!

Zunächst einmal ging es für uns nach Bogotá, um von dort unsere 10stündige Busreise zu starten. Wir hatten sehr viel Glück und haben in einem Doppeldecker-Bus die Plätze oben und ganz vorne bekommen, sodass wir etwas mehr Platz hatten. Tatsächlich habe ich auch fast die ganze Busfahrt schlafend verbracht und nicht so viel mitbekommen, was sich im Nachhinein als sehr gut herausgestellt hat, denn Sabrina und Philipp haben mir von dem nicht ganz so sicherem Verkehrsverhalten unseres Busfahrers erzählt.

Hier mal ein paar Beispiele (Mama, bitte reg dich nicht auf): Überholen in der Kurve, ohne das es eine Überholspur gibt, ohne Grund auf der Gegenverkehrspur fahren, sodass der Gegenverkehr anhalten oder ausweichen muss, einfach mitten in Bogotá eine neue Spur eröffnen, obwohl keine da ist...kein Step für die Kolumbianer, hauptsache es geht schnell (wenn man an einem Schild mit der Zahl 30 vorbei fährt, weil kurz danach eine gefährliche Kurve kommt, muss das ja nicht heißen, dass man auch unbedingt 30 km/h fahren muss, mit 70 geht das auch ganz gut).

Trotzdem sind wir am nächsten morgen um 9 Uhr im Hostel angekommen. Zwar ohne Verletzungen aber doch recht müde. Deshalb hat es auch etwas gedauert, bis wir uns aufraffen konnten, um uns das Centro Calis anzuschauen. Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und haben uns die Plaza de Bolivar, die Kathedrale und das restliche Centro angeschaut. Abends wurde uns empfohlenen in einen Park zu gehen, in dem es eine Art Basar geben sollte. Tatsächlich wurden einige schöne Armbänder und Ohrringe verkauft, hauptsächlich wird dieser Park aber anders genutzt...sagen wir mal so: immer wieder wehte uns ein süßlicher Duft in die Nasen und wir hatzen das Gefühl, dass man bei dem Angebot 3 Stücke Pizza für 5.000 Pesos nicht unbedingt Pizza bekommen hätte. 

Für den nächsten Tag hatten wir uns vorgenommen, etwas früher aus dem Hostel zu kommen, da wir zum Christo Rey wandern wollten, eine Jesus Statue wie in Rio auf einem Berg. Meine Mitfreiwilligen sind aber leider nicht so aufs frühe aufstehen getrimmt wie ich und daher ging es dann erst am Mittag los. Uns wurde mehrmals gesagt, dass der Weg etwas gefährlich sein soll und wir hatten schon mit dem Gedanken gespielt ein Taxi zu nehmen, als ein Auto neben uns hielt und uns angeboten hat, uns mitzunehmen. So kamen wir echt schnell oben an und konnten den Blick über Cali genießen, ohne den Weg in der Mittagshitze hochzustampfen. Danach wollten wir in den Zoo, der in unseren Reiseführern ziemlich angepriesen wurde. Der Einteitt und die Tatsache, dass es auch keine anderen Tiere als in deutschen Zoos gibt, haben uns dann aber davon abgehalten umd so ging es zum Shoppen. 

Wie ich ja bereits geschrieben habe,ist Cali die Salsa-Hauptstadt Kolumbiens und man darf nicht gefahren sein, ohne nicht einmal Salsa tanzen gewesen zu sein. Deshalb ging es abends los in eine Salsa-Bar. Natürlich habe auch ich mein bestes gegeben, muss aber sagen, dass ich es viel spannender fand den Kolumbianern zuzugucken, wie sie praktisch übers Pakett geflogen sind. 

Samstagabend sollte es dann wieder zurück nach Tunja gehen, den Tag haben wir im Hostel verbracht und die Sonne nochmal richtig genossen. Die Busfahrt zurück verlief ungefähr genau so rapido y furioso wie die Hinfahrt, weswegen wir schon um 5.30 Uhr am Sonntag wieder in Bogotá und gegen 9.00 Uhr wieder in Tunja waren.

Die Reise hat sich sehr gelohnt, schade war nur, dass wir nicht noch länger reisen konnten, da nicht sicher war, ob am Montag wieder Schule sein sollte. Natürlich war keine Schule..

der Streik dauerte noch eine ganze Woche und jetzt wird sich darum gestritten, wann die verlorenen Schultage nachgeholt werden. Samstags, Feiertage, Ferienwoche, alles ist möglich! im Centro links die Fahne von Cali, rechts Kolumbien Cali bei Nacht Cristo Rey

Montag, 27.04.2015

el diá del idioma

Vergangenen Donnerstag, dem 23.4., wurde an meinem Colegio "el día del idioma", der Tag der Sprache gefeiert. Auch, wenn hauptsächlich die englische und spanische Sprache im Mittelpunkt standen, war es doch ein interessanter und abwechslungsreicher Schultag.

Angefangen hat alles nicht wie gewohnt um 6.20 Uhr, sondern erst um 7.30 Uhr und zwar mit einer Formación inklusive iza de las banderas, dem Hissen der Fahnen. Das bedeutet, dass zu erst die kolumbianische Nationalhymne, dann die Hymne des Departamentos Boyaca, die Hymne Tunjas und schließlich die Schulhymne gespielt und gesungen wird und während dessen die jeweiligen Fahnen gehisst werden. Zudem gab es noch eine Ansprache des Rektors, der Sprach-Lehrer und die besten Schüler der Fächer Englisch und Spanisch aus jedem Kurs wurden geehrt. Das hat schon seine Zeit in Anspruch genommen, sodass erst ab 9 Uhr das Programm weiter gehen konnte. Die älteren Schüler haben den jüngeren Geschichten auf spanisch vorgelesen. Nach der Pause stand dann der englische Teil des Tages an: ein Karneval. Jedem Kurs wurde ein Land zugeteilt, zu dem die Schüler in Gruppen Informationen wie typische Musik, Essen, Kleidung, die Landessprache und die Biographie eines bekannten Schriftstellers aus dem Land vorbereiten sollten. Dazu wurden Plakate erstellt und viele kamen auch in Kostümen, die zur Kultur passen und in den Länderfarben angemalt. Es wurde eine Art Gasse gebildet und jeder Kurs konnte sich und sein Land präsentieren, während ein Schüler aus jedem Kurs eine kurze Rede (natürlich auf Englisch) zum Land gehalten hat. Deutschland war sogar 2 mal vertreten, leider nicht weil die Kolumbianer Deutschland so toll finden, sondern weil es ein organisatorisches Missverständniss gab. Während die jüngeren Kurse sich hauptsächlich auf die Präsentation verschiedener Plakate konzentrierten, war der Kreativität in den älteren Kursen keine Grenzen gesetzt. Es wurde getanzt, gesungen, gebastelt und sich an an dem ein oder anderen Klischee bedient und aufeinmal war das Colegio multikulturell... las banderas 7.1. mit Deutschland leider wurde ich erst hinterher gefragt, ob alles richtig geschrieben ist 8.1 mit Mexico Kolumbien..und alle am ausrasten Spanien...mit echtem Stier 10.5. mit China ich und einige Schülerinnen der 10.5 die 10.2 mit Arabien 11.1: Ägypten Mumien und Pharaonen 11.3 mit Frankreich voller Körpereinsatz :D

Mittwoch, 22.04.2015

back to school und direkt wieder weg

Während ihr am Ostermontag alle noch schön zu Hause verbringen konntet, hat für mich die Arbeit wieder angefangen. Eigentlich doch echt verwunderlich, da die Koumbianer eigentlich keinen Feiertag auslassen (heute zum Beispiel war "el día de la tierra", der Tag der Erde). Aber egal ich habe mich eigentlich auch gefreut zurück zu kommen, denn so viel Zeit bleibt mir nicht mehr in der Schule und das bisschen, was mir noch bleibt muss ich ausnutzen! Eigentlich hätte ich auch direkt die ersten beiden Stunden alleine in einer 9. unterrichten sollen, die Profe kam aber doch, aber meinen Unterricht konnte ich trotzdem machen. Ich wollte mit den Schülern eine Projekt machen, in der es um die Aussprache geht (hier ein Youtube-Link https://www.youtube.com/watch?v=VhoFqZVoBYw). Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das alles zu Anfang nicht so einfach war, wie man sich das wünscht: Die Schüler haben nicht gesungen, wollten sich zunächst in keine Gruppen einordnen (ich hab zu Anfang nicht gesagt, welche Chraktere es gibt, so kam es, dass ich am Ende eine Gruppe Jungs als Ballerinas hatte) und haben auch kaum gesprochen. Der Sinn dieses fließenden Übergangs wurde auch erst nach dem 6. Anflauf begriffen. Zum Schluss hat es aber tatächlich funktioniert und wir alle haben ziemlich viel gelacht. Der Profe hat das Projekt sogar so gut gefallen, dass sie wollte, dass ich das in all ihren Kursen mache und so bestand meine Woche hauptsächlich aus dem Lied "If I were not upon the stage whatever I would be? If I were not upon the staaaage..."

Die Schulwoche war für uns aber doch recht kurz, da alle Freiwilligen am Freitag auf einer Hochzeit in einem Dorf,  das ca. 5h von Tunja entfernt liegt, eingeladen waren. Martin und Natalia, er Deutscher, sie Kolumbianerin und beide die Chefs unserer Fundación, haben geheiratet. Daher sind wir alle schon am Donnerstagmittag nach Barichara gefahren, um uns nach deutscher Tradition mit einem Polterabend auf die Hochzeit einzustimmen. 

Barichara ist ein wunderschönes kleines Dorf (in dem es auch sehr warm ist), was ein wenig an die Toscana erinnert. Dort angekommen, haben wir unser Haus bezogen und am Abend ging es dann in das Hotel, in dem die Hochzeitsfeier stattfinden sollte. Es war total schön und auch interessant die Familie und die Freunde der Beiden kennenzulernen. Der Polterabend wurde mit einer Gruppe Mariachi eingeläutet, bei den aber hauptsächlich nur die Kolumbianer in Feierlaune kamen. Als es dann aber zum Zerschmeißen der Teller, Tassen und Waschbecken kam, kamen auch die Deutschen in Feierlaune und die Kolumbianer haben sich eher etwas zurück gezogen. Diese Tradition gibt es hier nämlich nicht, was auch erklären würde, weshalb wildfremde Gäste ihre Handys zückten, um zu Filmen wie so ein paar durchgeknallte "Monos" (eig. Affe, meint aber hellhäutige,-haarige und -äugige Menschen) Geschirr kaputt machen.

Am nächsten Tag war dann die Hochzeit angesagt, weswegen wir den Vormittag nicht so viel gemacht haben, außer unser Lied für den Gottesdienst nochmal zu proben und uns fertig zu machen. 1 1/2h vor theoretischem Beginn des Gottesdienstes waren wir Freiwilligen schon in der Kirche. Wir wollten das Brautpaar mit einem Lied überraschen und wollten die Gelegenheit in der Kirche zu singen nochmal nutzen. Wir sagen das "Liebeslied" von Bodo Wartke. Es gibt im Prinzip nur eine Strophe aber diese ist in ca 90 Sprachen übersetzt worden. Leider habe ich noch keine Aufnahme aber seine Version findet ihr hierhttps://www.youtube.com/watch?v=J2UBXB4IhZM(natürlich haben wir das ohne die Witze gemacht)

Die Messe, die nach kolumbianischer Pünktlichkeit eine halbe Stunde später anfing, war sehr schön und auch die Feier hinterher war einfach toll. Es gab leckeres Essen, Torte und danach wurde getanzt, getanzt und getanzt bis es dann um 22.00 Uhr in den Pool ging. Hochzeit mit Poolparty hat man ja auch nicht immer, doof war nur, dass es den ganzen Abend geregnet hat. Das hat dazu geführt, dass während des Abendessens die halbe Hochzeitsgesellschaft mit ihren Stoffservierten auf den Köpfen da saß.

Den Samstag haben wir wieder im Hotel verbracht, den Geburtstag von Natalias Bruder gefeiert und das Video über die Fundación 180 angeschaut und am Sonnatg ging es dann nach dem Mittagessen zurück nach Tunja. Dieses Wochenende gehört aber zu einem der Besten, die ich bisher hier hatte! 

hier ist übringens das Video unserer Fundación.

PS: auf der rechten Seite des Blogs findet ihr Informationen, wie ihr dieses echt tolle Projekt unterstützen könnt (die Spenden sind steuerlich abesetzbar)

PPS: jetzt noch ein paar Fotos :)

  Barichara von der Kirche aus Idylle pur! der Hauptplatz Klopapierbräute beim Polterabend vor der Hochzeit die ganze Truppe *Klatschverein*Wüstenpferde* beim Essen ;)

 

Montag, 13.04.2015

La semana santa- mein Ostern in Kolumbien

So langsam verstreicht auch mein 8. Monat in Kolumbien und die Gespräche über den Abschied nehmen immer weiter zu. Trotz des doch sehr traurigen Themas passieren weiterhin immernoch super spannende Sachen und immer wieder lerne ich mehr von der kolumbianischen Kultur...

Wie ihr ja alle wisst, war Anfang April Ostern und da Kolumbien ein doch eher katholisch geprägtes Land ist, wurde diese Woche natrülich besonders gefeiert. Im Vorfeld wurde mir zwar gesagt, ich solle am Gründonnerstag und Karfreitag auf gar keinen Fall in Tunja sein, da nichts los wäre, aber die Chance die Semana Santa (heilige Woche) in der Stadt zu feiern, die dafür berühmt ist, konnte ich mir natrülich nicht entgehen lassen. Das ganze Spektakel fing am Freitag vor Palmensonntag, dem "viernes de los dolores" an. Am Nachmittag gab es einen viacrucis (Kreuzweg). Zu diesem kamen ganz viele katholische "Gruppen", die alle lange Gewänder und Kapuzen trugen, sodass man ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Ich empfand das alles als etwas gruselig, da auf einmal aus allen Ecken des Centros vermummte Gestalten mit Kreuzen und Marienstatuen auftauchten. Beim Kreuzweg durften dann die Römer (2 Kinder in Plastik-Römer-Kostümen), Jesus und die Jünger natrülich nicht fehlen. Im Anschluss gab es noch eine Prozession, die von verschiedenen Marschkapellen und den vermummten "Gruppen" begleitet wurde.

Um dem ganzen christlichen Wahn dann doch etwas zu entkommen, bin ich am Palmensonntag mit Sophia nach Bucaramanga, einer Millionenmetropole im Departamento Santander, gefahren. Bucaramanga ist, obwohl sie echt ziemlich groß ist, einer wirklich schöne und grüne Stadt. Dort verbrachten wir 1 1/2 Tage und haben uns die Stadt angeguckt. Am Dienstag ging es dann weiter für uns in den Parque Chicamocha, um uns den Traum vom Fliegen zu erfüllen. Das Highlight unserer kurzen Reise stand an: Paragliding. Für 200.000 Pesos konnten wir für eine halbe Stunde die Welt von oben betrachten. Geflogen sind wir über einem Canyon und waren teilweise 800m über der Erde. Es war einfach wundervoll! Nachdem wir uns dann noch kurz in dem Park aufgehalten haben, wollten wir nach San Gil fahren, ein Ort, der für Extremsportarten bekannt ist. Unser Plan war eigentlich, am nächsten Tag eine Hölentour zu machen, da wir aber am Abend nach Hause fahren wollten, man danach auf jeden Fall hätte duschen müssen und auch diese Tour nicht ganz billig war, haben wir uns dazu entschieden statt aktive Sachen zu machen, die Sonne zu genießen.

Gründonnerstag fand auf dem Plaza de Bolívar die Prozession der Kinder statt. Die ganzen kleinen Kinder waren als Jesus, Maria und Priester verkleidet und sind paradenähnlich durchs Centro gelaufen. Begleitet wurden sie von Marschkapellen und das war so süß: 4-jährige Kinderchen in Uniformen mit kleinen Trömmelchen und Taktstöcken *-*. Karfreitag war dann so ziemlich der wichtigste Tag. Morgens gab es einen weiteren viacrucis. Diesmal auf dem Plaza de Bolivar. Die 14 Stationen Jesus Kreuzweg wurden von den vermummten "Gruppen" dargestellt. Jede "Gruppe" hatte eine Art Trage auf der die Bilder, die man in der Kirche finden kann, durch Statuen dargestellt wurden. Leider hat es sehr stark geregnet und außer einem Regenschirmmeer konnte ich nicht viel sehen. Den Nachmittag hat dann die ganze Familie zusammen verbracht, bevor es dann später zusammen in den Gottesdienst ging. Was sich bei dieser Messe von den anderen unterschied war, dass zunächst jeder sich von Jesus mit einem Kuss verabschiedet hat und dieser dann vom Kreuz geholt und in einen Sarg gelegt wurde. Ja, ernsthaft! Die ganze Gemeinde ist, wie bei der Kommunion, nach vorne gegangen, um der Jesusstatue einen Kuss zu geben. Der Ostersamstag ist, wie bei uns, auch zunächst ein normaler Tag. Erst gegen Abend geht garnichts mehr. Die Osternacht ist etwas ganz besonders. Natürlich waren wir wieder im Gottesdienst und die Kirche war wahrscheinlich genauso voll wie der Petersplatz in Rom. Zunächst war alles ganz dunkel, bis dann die Osterkerze angezündet und das Osterfeuer an alle weitergegeben wurde (jeder hat eine Kerze mitgebracht). Am Ende habe ich erneut festgestellt, dass die Kolumbianer doch etwas gläubiger sind als die meisten Deutschen. Fast jeder Messebesucher hatte Wasser (einige in normalen Flaschen, andere in 5-Liter-Kanistern), Rosenkränze, Marienstatuen oder gar Gemälde dabei, um diese vom Priester weihen zu lassen. Aber cool! Jetzt haben auch wir unser ganz eigenes Weihwasser zu Hause. Die Ostertradition mit Schokohasen und bunten Eiern gibt es in Kolumbien nicht. Trotzdem ist der Osterhase am Sonntag zu meiner Gastfamilie gekommen und mein kleiner Gastbruder durfte unsere (5) selbstbemalten Ostereier und Milka-Schokohasen suchen gehen. Ein richtiges Osterfrühstück gab es trotzdem nicht, obwohl ich 100mal erklärt habe, dass man die Eier erst bemalt, dann versteckt und nach dem Suchen zum Frühstück ist. Aber irgendwie hat meine Familie das nicht so ganz verstanden. Das Bild, das mein liebes Brüderchen mir von Omas Osterfrühstück geschickt hat, hat die Situation dann auch nicht unbedingt verbessert aber immerhin gab es "Brot", Obst und Rührei... der restliche Ostersonntag ist ziemlich untergegangen. Dieser Tag hat nämlich fast überhaupt keine Bedeutung mehr, den Ostermontag gibt es erst garnicht. Daher hieß es am Abend: auf die Arbeit und Schule vorbereiten und anschließend früh schlafen gehen.

Es war auf jeden Fall eine echt interessante, wenn auch sehr kirchenlastige Woche. Die Traditionen eines anderen Landes kennenzulernen ist echt schön, trotzdem freu ich mich jetzt schon auf mein nächstes Ostern in Deutschland, wenn man wieder so viele Ostereier färben darf, wie man will und das Ostersonntagfrühstück einen so sättigt, dass man den ganzen restlichen Tag theoretisch nichts mehr essen kann, der Milkahase am Abend aber doch schon verschwunden ist.

Bucaramanga im Centro die Paraglider ein Paraglider kur nach dem Start die Welt von oben hihi :D sicher wieder angekommen die Kinderprozession Mini-Jesus Mini-Marschkapelle viacrucis eine andere Prozession... mein gastbruder und ich am Ostereier bemalen unser Werk

 

 

 

 

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